Krapfen zum Jahreswechsel

Auf dem Hamelner Wochenmarkt gibt es die Leckerei mit verschiedenen Füllungen

Auch auf dem Wochenmarkt sind Krapfen derzeit der Verkaufsschlager. „Silvester ist der Tag des Bäckers“, sagt Regine Hakenbeck.

„Ich bin ein Berliner!“ Stimmt nicht, ich bin ein Wiener.“ „Denkste, ich bin ein Ägypter.“ „Alles Quatsch! ich bin ein edler Römer!“ So könnte es klingen, wenn Krapfen über ihre Herkunft schwadronieren. Klar, dass sich die Bayern, die Rheinländer, die Sachsen, die Dänen und viele andere in die Diskussion einmischen, denn jeder beansprucht das leckere Schmalzgebäck für sich. Egal, ob Berliner, Krapfen, Pfannkuchen oder Kräppel: „Nenn` es dann, wie du willst. Nenn`s Glück! Herz! Liebe! Gott! Ich habe keinen Namen dafür! Gefühl ist alles; Name ist Schall und Rauch“ schrieb einst Goethe in seinem Faust. Dass er dabei nicht an das fluffige Siedegebäck dachte, versteht sich von selbst. Sein Vers passt aber trotzdem, denn woher der Krapfen seinen Namen und seinen Ursprung hat, spielt beim Verzehr keine Rolle – Hauptsache, er schmeckt.

Obwohl das süße Teilchen das ganze Jahr über erhältlich ist, schmeckt es in der Silvesternacht oder auch im Fasching am besten. In Bäckereien, am Backstand der Supermärkte und an den Bäckerei- Verkaufswagen auf dem Wochenmarkt sind Krapfen kurz vor Silvester ein Muss – nicht nur traditionell mit Marmelade oder Pflaumenmus gefüllt, sondern beispielsweise auch mit Vanillecreme, Eierlikör oder Sahne. Spaßig: Auf Bestellung darf`s auch mal mit Senf sein.

Bereits einige Tage vor Silvester ist das Fettgebäck der Verkaufsschlager der Bäcker, die alle Hände voll zu tun haben mit der Produktion. „Silvester ist der Tag des Bäckers“, sagt Regine Hakenbeck von der gleichnamigen Landbäckerei mit einem Schmunzeln.

Warum Krapfen zum Jahreswechsel so gern gegessen werden, ist nicht genau belegt. Vielleicht weil sie wegen ihres Fettgehalts eine Grundlage bilden für ein weiteres Gläschen Sekt oder Champagner nach null Uhr? Zum Fasching sollen sie einst dazu gedient haben, entsprechende Reserven für die Fastenzeit anzulegen, galt es doch, bis Ostern durchzuhalten. Die Tradition des Schmalzgebäcks reicht aber viel weiter zurück als die der christlichen Fastenzeit. Darstellungen bei Pharao Ramses III. belegen, dass die alten Ägypter das Gebäck bereits damals kannten – in heißem Fett gekocht und dann mit Honig bestrichen.

Also ist der Berliner vielleicht doch ein Ägypter? Oder ein Römer, denn im Römischen Reich sollen die Teilchen bereits 100 Jahre vor der Zeitenwende detailliert beschrieben worden sein. In Berlin wird der Berliner übrigens Berliner Pfannkuchen und vielerorts auch Berliner Ballen genannt. Eine Legende erzählt, dass für die Namensgebung ein Berliner Zuckerbäcker verantwortlich sein soll. Er sollte im Jahr 1750 als Kanonier unter Friedrich dem Großen dienen. Nachdem sich der Patissier aber als wehruntauglich erwiesen hatte, begleitete er das Regiment als Feldbäcker und soll voller Dankbarkeit dafür Kanonenkugeln gebacken haben, die gegessen werden konnten – Berliner eben. In Österreich soll einer Legende nach die Wiener Köchin Cäcilie Krapf die Krapfen erfunden haben. Das ist aber wirklich nur eine Legende. Ob sie die Sonderform der Krapfen, nämlich die „Ciliekugeln“ erfunden hat, ist ebenfalls nicht belegt.

Eine mögliche Erklärung für die Bezeichnung „Krapfen“ ist zu finden in dem 1975 in Wien erschienenen Buch „Das große Sacherkochbuch“. Dort wird erwähnt, dass um 1200 auf den Speisezetteln der Klosterküchen das Wort „craplum“ zu finden war. Im Althochdeutschen stehe „krapho“, (mittelhochdeutsch „krapfe“) für eine gebogene Klaue, eine Kralle oder einen Haken, bedeute also etwas „Rundgekrümmtes“, vielleicht in Form eines Hufeisens. Aus dem „krummen Krapfen“ könnten dann später die runden Berliner geworden sein. Wie dem auch sei. Auch wenn es noch so viele Erklärungen zum Ursprung der Krapfen gibt, bleibt immer noch ein kleines Restgeheimnis. Vielleicht schmeckt er deswegen so gut.

In manchen Haushalten werden Krapfen zu Silvester selbst gebacken – nach mehr oder weniger aufwendigen Rezepten. Am schnellsten gehen „Quark-Krapfen“.

„Quark-Krapfen“

Zutaten: 250 Gramm Mehl, 125 Gramm Zucker, 250 Gramm Quark, drei Eier, 1 Tüte Backpulver, 2 Tüten Vanillezucker, Puderzucker, bei Bedarf Rosinen, Rum oder Bittermandelöl.
Zubereitung: Aus den Zutaten einen Teig bereiten, mit einem Esslöffel Krapfen abstechen und in der Fritteuse bei 180 Grad backen. Wer keine Fritteuse hat, nimmt eine „Förtchenpfanne“, auch „Augenpfanne“ genannt. Die Pfanne erhitzen und in jede Mulde einen Teelöffel Fett (am besten Butterschmalz) geben. Hitze etwas runterschalten. Wenn das Fett geschmolzen ist, in jede Mulde einen Teelöffel Teig füllen, backen lassen. Wenn der Teig gebräunt ist, mit einer Rouladennadel in die Bällchen stechen und umdrehen. Kurz backen lassen, dann die Bällchen herausnehmen und mit Puderzucker bestreuen oder in Haushaltszucker stippen. Frisch aus der Pfanne schmecken die Quark-Krapfen am besten.

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