Nostalgische Waren

Am Stand von Marco Fieseler gibt es gut 600 verschiedene Artikel

Ob Besen, Kehrblech, Nähgarn, Scheren oder Küchenreiben – das alles ist auf dem Wochenmarkt zufinden.

Der Verkauf von Obst, Gemüse und Blumen auf dem Wochenmarkt ist bekanntlich ein Saisongeschäft. Derzeit sind beispielsweise Erdbeeren, Spargel, Radieschen und Balkonblumen der Renner. An den beiden Fischständen lockt die Maischolle, und in Kürze wird die Matjes-Saison eröffnet. Wer aber hätte gedacht, dass auch manche Haushaltswaren der Saison unterliegen? „Im Sommer sind es beispielsweise Grillzangen, Tischdeckenbeschwerer und Tischdeckenklammern“, bilanziert Marco Fieseler. Im Winter hingegen spielt die Wärmflasche eine tragende Rolle an dem Stand mit der Nummer 36 in der Nähe des Kunstkreises.

Die Haushalts-, Kurz- und Stahlwaren haben auf dem Wochenmarkt eine über 30-jährige Tradition. Irgendetwas hat dort wohl schon mal jeder Marktkunde gekauft. Auch wer nichts braucht, verweilt gern am Stand, um einfach nur zu stöbern – übrigens mit Erfolgsgarantie, denn irgendetwas wird immer mitgenommen. Kein Wunder bei rund 600 verschiedenen Artikeln! Nähgarn, Reißverschlüsse, Hosenträger, Putzlappen, Schwämme, Staubwedel, Besen made in Germany, Küchenreiben, hochwertige Messer und Scheren, Zitronenpressen aus Holz, Thermometer, Omas gutes altes „Schlüpfergummi“, aus der Mode gekommene Wäscheknöpfe und vieles, vieles mehr hat Marco Fieseler im Sortiment. Zwei Stunden benötigt er an jedem Markttag, um seinen Stand einzuräumen. Auch die Anfahrt aus Bad Salzuflen ist ziemlich zeitaufwendig. Der Händler kommt aber trotzdem gern nach Hameln, denn er hat seine Stammkunden auf dem Wochenmarkt, die es schätzen, bei ihm auch einzelne Knöpfe oder nur ein einziges Garnröllchen kaufen zu können. „Das Sortiment erinnert mich an meine Kindheit, in der es noch Geschäfte für Kurzwaren und ein kleines Schwätzchen obendrauf gab“, schwärmte eine ältere Dame, während sie in weißem Stopfgarn stöberte.

Keine Frage – Kurzwaren sind nicht nur praktisch, sondern auch ein wenig nostalgisch, denn sie erinnern irgendwie an die Bauchläden von anno dazumal, die gefüllt waren mit Schuhsenkeln, Pflaster, Nähnadeln und anderen Kurzwaren, und von „fliegenden Händlern“ feilgeboten wurden. Die Bezeichnung „Kurzwaren“ hat ihren Ursprung im 18. Jahrhundert und bedeutet „kurze Waren“. Das Wort „Kurzwaren“ bezog sich jedoch nicht unbedingt auf die Länge der Waren, sondern wurde im Sinn von „klein“ verwendet, und so entstand auch die Bezeichnung „Kleinwaren“, die jedoch nur selten zu hören ist. Bei Kurzwaren handelte es sich damals vorwiegend um kleine Waren, die zum Nähen benötigt wurden. Dem gegenüber standen „Langwaren“ oder auch „Ellenwaren“, bei denen es sich meist um Stoffe handelte, die der Länge nach verkauft wurden.

Auf Kurz- und Langwaren hat sich übrigens Goethe schon einen Reim gemacht. In seinem Schwank „Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern“ schreibt er: „Kauft allerhand, kauft allerhand, kauft lang’ und kurze War! Sechs Kreuzer ’s Stück ist gar kein Geld, wie’s einem in die Hände fällt. Kauft allerhand, kauft allerhand, kauft lang’ und kurze War!“

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