Süße Verführung

Honig wird immer beliebter – auch auf dem Hamelner Wochenmarkt

Ursula und Friedrich Nagel bieten Honig aus eigener Imkerei und die ersten selbst gegossenen Kerzen aus Bienenwachs.

„Willst du Gottes Wunder sehen, musst du zu den Bienen gehen“ – viel Wahrheit steckt in diesem alten deutschen Sprichwort. Denn: Bienen sind bemerkenswerte und intelligente Tiere mit großer ökologischer Bedeutung. Sie produzieren nicht nur wertvollen Honig, als emsige Bestäuber von Nutz- und Wildpflanzen spielen sie eine große Rolle im Kreislauf der Natur. Reiche Ernten, üppiges Wachstum und natürliche Artenvielfalt hängen stark von den Bienen ab. Außerdem sichern sie vielen Tierarten die Nahrungsgrundlage. Der Deutsche Imkerbund bringt das Multitalent der Bienen wie folgt auf den Punkt: „Die Honigbiene ist wirtschaftlich eine echte Größe. Um das nachzuvollziehen, reicht meist schon eine Zahl: Rund 85 Prozent der landwirtschaftlichen Erträge im Pflanzen- und Obstbau hängen in Deutschland von der Bestäubung der Honigbienen ab.“

Die zarten Tierchen leisten Schwerarbeit. Für 500 Gramm Honig müssen Arbeitsbienen rund 40000-mal ausfliegen, wobei sie eine Flugstrecke von rund 120000 Kilometer zurücklegen. Kaum zu glauben: Für ein Pfund Honig fliegt eine Biene dreimal um die Erde! Hut ab! Bei jedem Löffel Honig, mit dem wir unser Frühstücksbrötchen versüßen, sollten wir an die enorme Leistung der zarten Tierchen denken, die in einer akribisch geordneten Völkerstruktur leben. Imker bezeichnen die vielseitigen Bienen als Babysitter, Amme, Wachsproduzent, Baumeister, Maurer, Klimaspezialist, Wächter, Putzfrau, Transportflieger und Nachrichtensprecher.

Honig ist ein Naturprodukt. Wer beim Kauf sichergehen möchte, auch wirklich ein einwandfreies Lebensmittel ohne Beimengung von Importware zu erhalten, ist auf dem Wochenmarkt bestens bedient. An mehreren Ständen wird Honig mit dem Siegel „Deutscher Honig“ angeboten – beispielsweise am Stand der Imker Ursula und Friedrich Nagel aus Hemeringen. „Reiner deutscher Honig wird bei den Kunden immer beliebter, denn sie legen Wert auf ein reines Nahrungsmittel“, betont Friedrich Nagel. Aber auch Kerzen aus Bienenwachs werden immer gefragter. Die ersten frisch gegossenen Exemplare sind nun auf dem Markt erhältlich.

Guter Honig enthält wertvolle Vitamine, Mineralstoffe, Kohlenhydrate, Enzyme, Aminosäuren, Säuren, Pollen sowie natürliche Aromastoffe. Die meisten Sorten der Imker Nagel stammen von eigenen Bienenvölkern, wobei der blütenreiche „Sommerhonig“ zur beliebtesten Sorte zählt. Eine etwas in Vergessenheit geratenen Pflanze erfährt bei Nagels gerade eine Renaissance in Form von einem milden und feincremigen Blütenhonig – nämlich die Phacelia, auch „Bienenfreund“ oder „Bienenweide“ genannt.

Das Thema Pestizide und Bienensterben soll an dieser Stelle nicht vertieft werden, nur so viel: Gäbe es statt großer Ackerflächen, auf denen die Bienen kaum Nahrung finden, viel mehr kleine Flächen mit „bienen- freundlichen“ Pflanzen, würden die fleißigen Tierchen vom Frühjahr bis in den Herbst einen reich gedeckten Tisch vorfinden. Sie haben es verdient.

Honig schmeckt nicht nur pur, sondern auch in Süßspeisen, in Soßen und im Tee, um nur einiges zu nennen. Als Herbstrezept empfiehlt der Deutsche Imkerbund „Honigbirnen mit Frischkäsecreme“.

Übrigens: Ab heute schließt der Wochenmarkt wieder jeden Mittwoch um 13 Uhr.

Honigbirnen mit Frischkäsecreme

Zutaten für sechs Honigbirnen: Ein Achtelliter Wasser, ein Achtelliter Weißwein, ein Teelöffel Zitronensaft, eine Viertel Stange Zimt, ein kleines Stück Ingwer, drei Gewürznelken, zwei Esslöffel Honig eigener Wahl sowie drei große, noch feste Birnen.

Zutaten für die Frischkäsecreme: 200 Gramm Frischkäse, einen Teelöffel geriebenen Meerrettich, je einen Teelöffel Zitronensaft, Honig und Rum.

Zubereitung: Wasser, Wein, Zitronensaft und die Gewürze aufkochen, den Honig dazugeben und gut einrühren. Die Birnen der Länge nach halbieren und das Kerngehäuse großzügig herausschneiden. Die Birnen in der Flüssigkeit nacheinander halb weich kochen und einige Stunden im Saft ziehen lassen. Den Frischkäse mit den Zutaten gut verrühren und kalt stellen. Die Birnen einzeln auf flachen Schälchen anrichten und die Flüssigkeit darauf verteilen. Die Creme in die Höhlung der Birnen füllen – am besten mit einer Tortenspritze mit Sterntülle. Das sieht dekorativer aus.sto

 

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