Sie schmecken roh oder gekocht

Rote und gelbe Bete fristen ein Schattendasein – nicht so auf dem Hamelner Wochenmarkt

Simon Kossack zeigt, wie die gelbe Bete von innen aussieht.

Sie werden auch Salatrüben, Rote Rüben und in Österreich und Bayern auch Rahne, Rande oder Rohne genannt – die dickfleischigen Wurzeln mit dem roten Saft. Meist werden sie kugelförmig gehandelt. Es gibt sie aber auch in ovaler und platter Form, die roten Bete (auch „Beete“ geschrieben). Am beliebtesten ist jedoch die rote Kugel, eben weil sie so schön rund und tiefrot ist und herrlich „erdig“ schmeckt. Aber gerade diesen Erdgeschmack mögen viele Leute nicht, und deshalb verzichten sie auf die gesunden Bete. Müssen sie aber nicht, denn die roten haben gelbe Kollegen, die viel milder und manchmal sogar ein wenig süßlich schmecken. In Supermärkten allerdings werden sie selten angeboten. Die Chancen, sie auf dem Wochenmarkt zu finden, stehen jedoch gut und werden immer besser, denn die Ernte hat gerade erst begonnen.

Am Stand von Bernhard Kossak wurde ihnen bereits ein fester Platz eingeräumt. Zwischen ihren roten runden und ovalen Verwandten ziehen sie die Blicke der Kunden auf sich. Ihre orangefarbene Schale macht neugierig. Wie mag das Gemüse wohl geschält aussehen? Auch orange? – Simon Kossack greift zum Messer und halbiert ein Rübchen. Zum Vorschein kommt eine gelb leuchtende Frucht, die leicht strukturiert ist. Lecker sieht sie aus, die gelbe Bete. Im Gegensatz zur roten Bete färbt die gelbe nicht ab. Handschuhe beim Schälen sind also nicht erforderlich. Wie aber wird sie gegessen? „Wie die rote Bete schmeckt sie roh und gekocht“, sagt der Gemüsehändler.

Als Farbtupfer eignet sie sich beispielsweise gestiftelt im Salat oder in feinen Scheiben als Carpaccio. Roh zubereitet, sollten gelbe Bete aber nicht allzu lange stehen, da sie sich sonst braun verfärben könnten. Lecker schmeckt sie auch gegart, als Suppe, in Aufläufen oder in Eintöpfen. Auch wenn sie aussieht wie eine Neuzüchtung, ist sie doch eine alte Kulturpflanze und stammt wie ihre roten Schwestern von der „Wilden Rübe“ ab.

Früher soll sie an der Meeresküste Europas beheimatet gewesen und von den Römern nach Mitteleuropa gebracht worden sein. Ab dem 16. Jahrhundert wurde sie dann immer beliebter, geriet dann aber in vielen Gegenden in Vergessenheit, wurde dann aber wiederentdeckt und feiert derzeit ein Comeback auf dem Speiseplan. Zum Glück. Sie ist nämlich sehr gesund, enthält sie doch wie ihre rote Schwester Vitamin C, Vitamine der B-Gruppe, Eisen, Zink, Natrium und Magnesium. Und sie schmeckt. Beispielsweise als „Backofen-Bete“.

Backofen-Bete

Zutaten für vier Personen: 2 gelbe Bete, Olivenöl, ein bis zwei Löffel Honig, eine große Knoblauchzehe, einen halben Teelöffel Kreuzkümmel, Salz, Pfeffer, etwas frisch Minze, einige Thymianzweige, gut 50 Gramm Weichkäse und eine kleine Chilischote.
Zubereitung: Backofen auf 180 Grad vorheizen. Bete schälen und waschen. In ein Zentimeter dicke Scheiben schneiden. Knoblauch schälen und fein hacken. Thymian putzen. Weichkäse in kleine Würfel und Chilischote in Ringe schneiden. Wer es nicht so scharf mag, sollte die Kerne entfernen. Dann in einer Schüssel Öl, Honig, Knoblauch, frische Minze, Salz und Pfeffer vermischen und die Betescheiben darin wenden. Ein Backblech mit Backpapier auslegen, die Bete darauf nebeneinander verteilen, mit Kreuzkümmel bestreuen und die Thymianzweige darauflegen. Im Ofen etwa 35 Minuten rösten, bis die Scheiben weich und an den Rändern gebräunt sind. Mit den Chiliringen und dem Weichkäse bestreuen und sofort servieren.

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