Aromatisches Geschenk der Götter

Friedrich Pettig geht regelmäßig in Europa auf Käse-Entdeckungstour

Friedrich Pettig präsentiert „Melchior Chrüterkäs“, der am besten zu einem kräftigen Brot schmeckt.

Würziger Käse und gutes Brot – wer kann da widerstehen? Beides wird auf dem Wochenmarkt gleich an mehreren Käse- und Backwarenständen angeboten. Beispielsweise am Stand der „Vollkornblume“, wo sowohl Brot als auch Käse erhältlich ist. Etwa 100 Bio-Käsesorten haben Friedrich Pettig und sein Team an jedem Markttag im Sortiment. Immer wieder kommen neue Sorten dazu. Der jüngste Neuzugang ist ein kräftig würziger Schweizer im feinen Kräutermantel. „Melchior Chrüterkäs“ wird dieser aromatische Bergkäse genannt. Pettig hat den Hartkäse aus Kuhmilch bei einem Besuch einer kleinen Käserei in der Schweiz entdeckt. „Ich war begeistert von dem Aroma“, erzählt der Käseliebhaber. Bei seinen „Käseentdeckungstouren“ durch die Schweiz oder auch durch Österreich und Frankreich hält er gern Ausschau nach kleineren Käsereien. Auf diese Weise hat er auch Freundschaft geschlossen mit einem „Urberger“ aus Österreich, einem Bergkäse, der in seiner Heimat beliebt ist als „Vesperkäse“. Soll heißen – in der einen Hand ein Stück Käse und in der anderen ein Stück Brot. So genießt der Grupenhagener übrigens auch die beiden Käsesorten, die an seinem Stand derzeit Saison haben: einen Holunderblütenkäse und einen Bärlauchkäse. „Ein Glas Wein dazu, und der Genuss ist perfekt“, schwärmt Pettig.

Wenn er Appetit hat auf einen warmen Käsegenuss, nimmt er eine Rolle Ziegenfrischkäse, legt sie auf Backpapier oder in eine feuerfeste Schale, begießt die Rolle mit einem Esslöffel Akazienhonig, gibt einen frischen Rosmarinzweig oder getrocknetes Rosmarinkraut drauf und erwärmt das Ganze im Backofen bei etwa 120 Grad. „Der Käse soll nicht zerlaufen, sondern lediglich richtig schön warm werden, damit die Aromen sich optimal entfalten können“, rät Pettig.

Kaum ein anderes Lebensmittel ist geschmacklich so vielfältig wie Käse. Wann und wo der erste Käse hergestellt wurde, ist unbekannt. Um ihn ranken sich einige Legenden. Eine besagt, Käse sei ein Geschenk der Götter. So soll bei Opferzeremonien im alten Mesopotamien den Göttern frische Milch dargebracht worden sein. Die Priester ließen die Milch einige Zeit stehen, und wie von Zauberhand verwandelte sich die Milch in einen Klumpen. Ein Priester probierte und soll begeistert gewesen sein von dem Wohlgeschmack. Eine andere Geschichte sagt, dass ein steinzeitlicher Jäger im Magen eines gerade erlegten Kalbes eine weiße Masse gefunden haben soll, die sehr schmackhaft war. Es wird vermutet, dass das Kälbchen kurz vor seinem Tod Muttermilch getrunken hat und ein besonderes Fermentierungsenzym in dem Magen des Jungtieres, nämlich das Lab, dafür sorgte, dass aus der Milch eine weiße, wohlschmeckende Masse wurde.

Vom Hamelner Wochenmarkt berichtet

Christiane Stolte

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