Frühlingsboten aus Italien

…doch auch die heimischen Mairübchen lassen nicht mehr lange auf sich warten

Noch greift Hartwig Fischer auf Mairübchen aus Italien zurück, bald aber haben die heimischen Saison. Foto: sto

Sie sind weißfleischig und kugelig und erinnern an den weißen Winterrettich. Mit diesem jedoch haben die „Mairübchen“ kaum etwas zu tun. Ihre Verwandten sind die „Teltower Rübchen“ und die „Herbstrüben“. Obwohl Mairübchen in den Supermärkten nahezu das ganze Jahr über angeboten werden, haben sie ihre Hauptsaison im Frühjahr. Im Mai sollen sie besonders zart schmecken, sagen ihre Fans. Je nach Witterung ist die „Navette“, wie die Mairübe in Anlehnung an das französische Wort „Navet“ auch genannt wird, aus heimischem Anbau bereits Anfang April erhältlich. In diesem Jahr aber nicht. „Der Boden ist noch zu kalt“, weiß Hartwig Fischer. Die ersten Blätter lugen zwar schon aus der Erde heraus, aber bis zur Ernte dauere es noch ein Weilchen. Bis dahin versorgen der Gemüsehändler aus Haverbeck und einige seiner Kollegen die Kunden mit Mairübchen aus Italien. Auf dem gestrigen Wochenmarkt war das Powergemüse des nahenden Frühlings als Importware an einigen Ständen erhältlich.

Powergemüse deshalb, weil Mairüben voller Vitamine und Mineralstoffe stecken und außerdem Senföle enthalten – nicht nur die Knollen, sondern auch die Blätter. Bevor in Europa die Kartoffel eingeführt wurde, galten Mairüben als „Schutzgemüse“ für die Gesundheit.

Dann jedoch verschwanden sie immer mehr vom Speiseplan, wurden vor einigen Jahren aber wiedererweckt aus ihrem Dornröschenschlaf und erfreuen sich mittlerweile immer größerer Beliebtheit.

Sie sind nicht nur gesund und kalorienarm, sondern auch vielseitig in ihrer Zubereitung. Nicht nur die Knollen. Bei Familie Fischer wird das „Grünzug“ mitgedünstet, zumindest, wenn es noch schön knackig ist. „Meine Frau fügt noch Mohrrüben und Petersilienwurzel hinzu“, so der Gemüsehändler. Mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt, sei das eine schnelle und leckere Beilage. Mairüben können aber auch roh verzehrt werden. Besonders lecker schmecken sie geschält und fein gehobelt in frischen Salaten. Auch eignen sie sich gut zum Füllen. Die Knolle waschen, schälen, den „Kopf“ abschneiden und mit einem Kugelausstecher aushöhlen und dann kurz in kochendem Wasser dünsten, herausnehmen, abtropfen lassen und nun nach Lust und Laune füllen – beispielsweise mit gut gewürztem und leicht angebratenem Hackfleisch, mit Frischkäse oder mit Pilzen, die vorher in einer Pfanne mit Zwiebeln und Knoblauch leicht gedünstet werden. Die gefüllten Kugeln dann dicht nebeneinander in eine mit Olivenöl ausgestrichene Auflaufform stellen, mit etwas Olivenöl beträufeln, eventuell noch mit Käse bestreuen und dann ab damit in den vorgeheizten Backofen für 20 bis 30 Minuten.

VOM HAMELNER
WOCHENMARKT BERICHTET CHRISTIANE STOLTE

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